...die Entwicklung des Turbo Capri
von Thomas Ammerschläger
Ehemaliger Technischer Leiter von Ford Motorsport und verantwortlich für die Entwicklung des Ford Zakspeed Turbo Capri
Die Entwicklung des Turbo Capri begann bereits 1977, nach dem der
Vorstand, der den Escort aus Marketinggründen bevorzugt hatte, grünes
Licht für den Capri gegeben hatte, der sich für die Gruppe 5 viel besser
eignete.
Wir konzentrierten uns auf die Aerodynamik des Fahrzeugs, da das
Fahrwerk weitgehend ausgereizt war und wir nicht sicher waren, dass ein
1,4 l Turbomotor den 2 l Saugmotoren ebenbürtig sein würde.
So entstand eine Form, die schon mit dem schmalen Heckflügel einen
bisher unerreichten Abtrieb erzeugte und die trotz Heckflügel und
Kotflügelverbreiterungen einen besseren cw-Wert hatte als das
Serienauto. Dadurch war das Auto sowohl auf der Geraden wie in den
Kurven schneller und die Bremswege waren stark verkürzt.
Weil der für die Saison 1980 eingeführte breite Heckflügel für
Diskussionen gesorgt hatte, kam mir die Idee, ein wing-car zu entwickeln
und dazu den Unterboden als Diffusor auszubilden. Durch den Frontmotor
und die hintere Starrachse konnten wir den Diffusor direkt hinter dem
Motor beginnen und sich über die gesamte Fahrzeuglänge erstrecken
lassen, was mit Mittel- oder Heckmotorfahrzeugen nicht möglich ist. Der
breite Flügel wurde schliesslich verboten, obwohl die oberste
Sportbehörde bestätigen musste, dass er dem Reglement entsprach. Das
Verbot sollte sich am Ende als Glücksfall herausstellen, denn der Capri
war mit schmalem Flügel (wie ursprünglich 1979 verbaut) und Diffusor
durch geringeren Luftwiderstand und erhöhten Anpressdruck noch
schneller.
Colin Chapman hatte mit dem Wingcar-Prinzip etwa ein Jahr zuvor in der
Formel 1 begonnen und wir waren die ersten, die das im Tourenwagen
machten und damit einen Meilenstein setzten.
Das Besondere an der Aerodynamik des Capri war aber nicht nur der
generell sehr hohe Abtrieb, sondern die Tatsache, dass wegen der Form
der Flügelstützen der hintere Abtrieb im Drift nicht wie üblich abnahm,
sondern bis 10 Grad Driftwinkel noch zunahm und sich damit ein
unerreicht sicheres Fahrverhalten ergab, das es so selbst in der F1 m.W.
bis heute nicht gibt.
Was ich weder vor noch nach dem Turbo Capri erlebte war, dass jeder
Fahrer, der ihn zum ersten mal fuhr, völlig erstaunt und untypisch für
einen Rennfahrer sagte, dass das Auto schneller sei als er und er bei
einem Tourenwagen ein solches Fahrverhalten noch nie erlebt habe.
Ihr Thomas Ammerschläger






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